„Ich habe nicht gedacht, dass die Arbeit für H&M mein Leben so erschüttern würde,“ schreibt eine Arbeiterin, die im riesigem Logistik-Hub von Stradella Päckchen für H&M packt, in einem
Brief an ihre 1,6 Millionen Leidensgenoss/innen in H&Ms Lieferkette. „Meine Schicht beginnt um 4:30 Uhr und wir wissen nicht, wann wir nach Hause gehen können.“ Die Arbeiterin möchte anonym bleiben, da XPO, die Eigentümerin des Logistikzentrums, gerade juristisch gegen jene Beschäftigte und ihre Gewerkschaft vorgeht, die für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen.
Das Geschäftsmodell von H&M und anderer Fast Fashion-Giganten basiert auf der Ausbeutung der Beschäftigten auf verschiedenen Ebenen ihrer Lieferketten. Die Clean Clothes Campaign fordert deshalb Existenzlöhne und faire Anstellungsverhältnisse, ob in den Textilfabriken, den Logistikzentren oder den Filialen in der Schweiz und anderswo. Zum Start einer bis 30. November dauernden Aktionswoche protestieren Aktivist/innen heute in den Einkaufsmeilen in London und Mailand. In den nächsten Tagen folgen Aktionen in über zwei Dutzend weiteren Städten in Asien, Amerika und Europa. In der Schweiz sind Proteste vor den H&M-Filialen in Baden (AG), Luzern und Bern angekündigt.
H&M hat im November 2013 versprochen, dass 850‘000 Beschäftigte bei ihren Vorzeigelieferanten bis in fünf Jahren existenzsichernde Löhne erhalten. Doch die Realität in den Fabriken sieht anders aus. Die von H&M selbst veröffentlichten Lohnstatistiken zeigen, dass die Näherinnen immer noch nur den Bruchteil eines Existenzlohns erhalten. Wenn Löhne in den letzten fünf Jahren gestiegen sind, dann primär auf Druck der höheren gesetzlichen Mindestlöhne. Berücksichtigt man die höheren Lebenshaltungskosten wegen Inflation, sind die realen Löhne bei den H&M-Zulieferern in Indien im diesem Zeitraum sogar um 4 Prozent geschrumpft.
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