Copy
MEDIENMITTEILUNG von Public Eye
Zürich/Lausanne, 23. November 2018
MEDIENMITTEILUNG von Public Eye (ehem. EvB)

Black Friday für H&M: Globale Aktionswoche von Beschäftigten und NGOs gegen Armutslöhne

Von Luzern über Mailand bis Zagreb und Delhi: Mit Aktionen in über 20 Städten weltweit fordert die Clean Clothes Campaign den schwedischen Moderiesen auf, endlich für Existenzlöhne zu sorgen. Auch Päckli-Packerinnen im italienischen H&M-Logistikzentrum wehren sich gegen prekäre Arbeitsbedingungen und erklären sich solidarisch mit anderen H&M-Beschäftigten.
„Ich habe nicht gedacht, dass die Arbeit für H&M mein Leben so erschüttern würde,“ schreibt eine Arbeiterin, die im riesigem Logistik-Hub von Stradella Päckchen für H&M packt, in einem Brief an ihre 1,6 Millionen Leidensgenoss/innen in H&Ms Lieferkette. „Meine Schicht beginnt um 4:30 Uhr und wir wissen nicht, wann wir nach Hause gehen können.“ Die Arbeiterin möchte anonym bleiben, da XPO, die Eigentümerin des Logistikzentrums, gerade juristisch gegen jene Beschäftigte und ihre Gewerkschaft vorgeht, die für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen.

Das Geschäftsmodell von H&M und anderer Fast Fashion-Giganten basiert auf der Ausbeutung der Beschäftigten auf verschiedenen Ebenen ihrer Lieferketten. Die Clean Clothes Campaign fordert deshalb Existenzlöhne und faire Anstellungsverhältnisse, ob in den Textilfabriken, den Logistikzentren oder den Filialen in der Schweiz und anderswo. Zum Start einer bis 30. November dauernden Aktionswoche protestieren Aktivist/innen heute in den Einkaufsmeilen in London und Mailand. In den nächsten Tagen folgen Aktionen in über zwei Dutzend weiteren Städten in Asien, Amerika und Europa. In der Schweiz sind Proteste vor den H&M-Filialen in Baden (AG), Luzern und Bern angekündigt.

H&M hat im November 2013 versprochen, dass 850‘000 Beschäftigte bei ihren Vorzeigelieferanten bis in fünf Jahren existenzsichernde Löhne erhalten. Doch die Realität in den Fabriken sieht anders aus. Die von H&M selbst veröffentlichten Lohnstatistiken zeigen, dass die Näherinnen immer noch nur den Bruchteil eines Existenzlohns erhalten. Wenn Löhne in den letzten fünf Jahren gestiegen sind, dann primär auf Druck der höheren gesetzlichen Mindestlöhne. Berücksichtigt man die höheren Lebenshaltungskosten wegen Inflation, sind die realen Löhne bei den H&M-Zulieferern in Indien im diesem Zeitraum sogar um 4 Prozent geschrumpft.
 
Mehr Infos (Analyse der H&M-Lohnstatistiken) hier oder bei: 
Oliver Classen, Mediensprecher, 044 277 79 06, oliver.classen@publiceye.ch
David Hachfeld, Textilexperte, 044 277 79 14, david.hachfeld@publiceye.ch 
Hintergrund
H&M kündigte 2013 an, 850’000 Beschäftigte bei seinen bevorzugten Lieferanten („Gold- und Platinum-Supplier“) sollten binnen fünf Jahren von Existenzlöhnen erreicht werden. Das Unternehmen hat seine “Roadmap towards a fair living wage in the textile industry” während einer zweitätigen Existenzlohn-Konferenz in Berlin vorgestellt. Diese Ankündigung hat H&M grossen Zuspruch gebracht, der online nachzulesen ist. Dagegen ist H&Ms Existenzlohn-Roadmap selbst nicht mehr online verfügbar. Hier lässt sich H&Ms ursprüngliche Ankündigung nachlesen und nachvollziehen, wie der Konzern sie verwässerte: https://turnaroundhm.org/dossier
Public Eye | Dienerstrasse 12 | Postfach | 8021 Zürich | www.publiceye.ch

   

Sie erhalten unsere E-Mails, weil Sie uns Ihre E-Mail-Adresse redaktion@infosperber.ch mitgeteilt haben.
Aktualisieren Sie Ihre Angaben hier.
Wir behandeln Ihre Adresse vertraulich (Datenschutzrichtlinien).

Wenn Sie keine Medienmitteilungen von Public Eye mehr erhalten möchten, klicken Sie hier.
Über Anregungen, Lob oder Kritik freuen wir uns: medien@publiceye.ch.